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EU-Gurken-Norm wird freiwillig eingehalten

Ja, die EU-Gurkenkrümmungsverordnung gab es tatsächlich. Sie hieß Verordnung Nr. 1677/88/EWG, teilte Gurken in Güteklassen ein und gab Mindestgewichte und Färbung vor. In der Handelsklasse Extra durften Gurken auf 10 cm Länge maximal eine Krümmung von 10 mm aufweisen.

Weil das den meisten Leuten verrückt erschien, wurde darüber gekichert und gelästert, bis die EU die Verordnung 2009 abschaffte. Die Kritiker der "Eurokratie" jubelten, viele Bauern jammerten — bis klar war: Die Norm wird in der Praxis einfach weiter angewendet.

So können Erzeuger vergleichbare Angebote an den Handel machen. Der Handel wiederum kann sicher sein, welche Ware ihm fürs Geld geliefert wird. Jedes Schummeln kann sanktioniert werden.

Auch die Logistik profitiert: 12 Normgurken haben in eine stapelbare Norm-Stiege Platz. Die Stiege wiederum passt verlässlich in genormte Regale im Handel und auf Euro-Paletten, mit denen der Transport besser kalkuliert werden kann.

Die Handelsklassen-Norm ist auch für den Verbraucher praktisch:
Er muss im Supermarkt nicht lange wühlen, um für den Stückpreis das größte und schönste Exemplar zu ergattern.

Das alles ist oft nur jenen klar, die sich täglich damit beschäftigen. Das betrifft nicht nur Gurken. Mit der Gurken-Verordnung wurden übrigens ähnliche Normen für viele weitere Obst- und Gemüsesorten abgeschafft. Nur für die 11 meistverkauften blieben sie bestehen: Äpfel, Birnen, Zitrusfrüchte, Kiwis, Erdbeeren, Pfirsiche, Nektarinen, Weintrauben, Salatköpfe, Paprika und Tomaten.

Übrigens: Alle EU-Rechtsvorschriften finden sich auf der Euro-Lex-Internetseiten — in 23 Sprachen, für jeden online einsehbar oder als Download-PDF.

Die "Gurkenkrümmungsverordnung"  wurde  von der EU längst abgeschafft, aber alle halten sich an die einstigen Normen — weil sie praktisch und vernünftig sind, auch wenn EU-Kritiker darüber viel gelästert haben.